Leverage Ratio: der Anteil des Eigenkapitals an der Bilanzsumme – ein Blick auf die Schweiz

Das Leverage Ratio stellt als Kennzahl den Anteil des Eigen- und Fremdkapitals eines Unternehmens dar und dient der finanziellen Bewertung von Unternehmen. Im Rahmen einer Untersuchung wurden 100 Banken in den USA ausgewählt. Bei den 37 in der Finanzkrise gescheiterten Instituten lag das Leverage Ratio um 1,2 Prozent niedriger als bei jenen Instituten, die die Krise überstanden hatten. Haldane errechnete aufgrund der Erhebungen einen optimalen Wert des Leverage Ratio.


Die Schweiz in der Bewertung

Der optimale Schwellenwert des Leverage Ratio liegt laut Haldane bei einer Unterschwelle von 7 %. Wobei dieser Schwellenwert nur eine Empfehlung ohne verbindlichen Rückhalt darstellt. Betrachtet man die Schweizer Bankinstitute und deren Leverage Ratio, ist zu erkennen, dass diese Kennzahl bei einem großen Teil der Institute über dem empfohlenen Wert von 7 % liegt. Aber es gibt auch Grund zur leichten Sorge. Denn von 90 betrachteten Schweizer Instituten lagen im Jahr 2011 20 % aller Institute unter der von Haldane empfohlenen Schwelle des Ratio Leverages. In konkreten Zahlen ausgedrückt sind dies zwei Schweizer Großbanken und 22 Retail Banken. 80 % aller bewerteten Banken lagen zum Betrachtungszeitpunkt bei einem Wert zwischen 7 und 10 %. Dadurch ergibt sich bei einer Gesamtbetrachtung aller Schweizer Banken ein Mittelwert von 8,07 %.

Leverage Ratio muss zeitnaher bearbeitet werden

Es werden unterschiedlichste Konzepte entworfen und implementiert, um den Finanzplatz in der Schweiz noch krisenfester zu machen. Dabei erhalten vor allem systemrelevante Institute große Aufmerksamkeit, wenn es um Anforderungen wie Mindestkapital und Höchstverschuldungsgrenzen geht. Diese daraus entstehenden komplexen Konzepte und Reformen, zu denen auch Basel III gehört, werden jedoch kritisch betrachtet und genießen oft geringes Vertrauen bei den Anlegern. Eine wichtige Vorgehensweise bestünde darin, in erster Linie auch auf einfache Faustregeln wie die von Haldane vorgeschlageneLeverage Ratio-Quote von 7 % zurückzugreifen. Wird diese berücksichtigt, ist eine erfolgreiche Limitierung schneller zu erwarten als der Einsatz von risikogewichteten Eigenkapitalvorschriften. Nach dem Subsidiaritätsprinzip ist es eine grundsätzliche Aufgabe von Banken ist, ihre Organisation so auszurichten, dass zukünftige Krisenfälle absorbiert werden können. Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, dass sich die Entscheidungsträger der Schweizer Retail Banken das Thema Leverage Ratio in der Agenda zeitlich nach oben rücken.

Einfache Faustregeln kontra komplizierte Konzepte
So sehr auch komplizierte Konzepte unter Berücksichtigung von risikogewichteten Eigenkapitalvorschriften und Höchstverschuldungsgrenzen ihre Berechtigung haben, können in vielen Fällen nachweislich auch einfache Faustregeln, wie es das Leverage Ratio darstellt, eine unkomplizierte und schnell limitierende Wirkung erzielen. Das ist im Sinne des Kunden und des Geldhauses selbst – inzwischen bilden sich zunehmend verbraucherorientierte Portale wie MyMoneyPark, die für mehr Transparenz im Finanzwesen sorgen wollen. Eine LeverageRatio käme dem zugute. Auch wenn das Schweizer Bankensystem gesamt gesehen gute Werte aufweist, sind einzelne Institute in der Lage, diesem stabilen Gefüge Risse zuzufügen. Bei einem Anteil von 20 % an Instituten, die unter dem empfohlenen Haldane-Wert liegen, ist die Gefahr von Rissen in einem aktuell noch stabilen Gefüge nicht zu unterschätzen.